Josip Juratovic: Ein europäischer Schwabe
Der Heilbronner Bundestagsabgeordnete im Gespräch über seine Person, seine Politik und seine Partei
Herr Juratovic, stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr politisches Programm als SMS versenden. Sie haben dafür nur 160 Zeichen zur Verfügung. Wie würde Ihr Text aussehen?
Ich stehe für die Verwirklichung der Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Das heißt konkret, dass ich mich für mehr Ausbildungsplätze, für bessere Arbeitsbedingungen, für Ganztagesbetreuung und für bessere Verkehrsanbindungen in meinem Wahlkreis einsetze.
Nicht schlecht, allerdings hätten Sie dafür zwei SMS senden müssen.
Juratovic lacht.

Berichten Sie mir bitte, welche Aufgaben Sie als Bundestagsabgeordneter konkret haben!
Meine Aufgaben teilen sich in meine Arbeit im Wahlkreis und in Berlin auf.
Im Wahlkreis stehe ich tagtäglich im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern. Ich bin Ansprechpartner für Unternehmen, Gewerkschaften und gesellschaftliche Gruppen. Ich informiere über die Beschlüsse der Berliner Politik und arbeite eng mit den Entscheidungsträgern vor Ort zusammen. Besonders wichtig ist mir mein Einsatz für Ausbildungsplätze. Deswegen habe ich die Initiative „Hauptschülern eine Chance geben“ ins Leben gerufen.
Den Einsatz für Ausbildungsplätze setze ich in Berlin als Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales fort. Als ehemaliger Fließbandarbeiter und Betriebsrat weiß ich, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen in der Praxis haben werden. Ich bin außerdem SPD-Berichterstatter für die Europäische Sozialpolitik. Dabei geht es um die Vereinheitlichung europäischer Standards, aktuell für Betriebsräte oder die Arbeitszeit.
Fühlen Sie sich als Europäer?
Ich lebe gerne hier in der Mitte von Europa. Ich bin 1974 im Alter von 15 Jahren aus Kroatien nach Gundelsheim gekommen. Ich habe hier meine Frau Christina gefunden und meine Familie gegründet. Hier sind unsere drei Kinder aufgewachsen, hier haben wir unser Häusle. Ich arbeite gerne etwa 22 Wochen im Jahr in der sich ständig wandelnden Hauptstadt Berlin. Aber zum Wochenende hin freue ich mich immer wieder auf meine Heimat. Meine Wurzeln sind hier. Ich würde sagen, ich bin ein europäischer Schwabe.
Konnten Sie sich in Berlin bereits erfolgreich für Anliegen Ihres Wahlkreises einsetzen?
Ja. Ich bin sehr stolz darauf, dass es mir gelungen ist, im vergangenen Jahr 7,6 Millionen Euro für die Errichtung eines Containerterminals im Heilbronner Hafen zu erkämpfen. Dieses Geld war im Haushalt eigentlich nicht vorgesehen. Der Ausbau der Binnenschifffahrt ist von großer Bedeutung, denn das Schiff ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Dadurch werden die Straßen im Unterland von Schwerlastverkehr entlastet.
Auch die Schiene ist mir als Verkehrsmittel sehr wichtig. Deswegen freue ich mich, dass meine jahrelangen Bemühungen um eine barrierefreie Gestaltung des Heilbronner Hauptbahnhofs nun endlich von Erfolg gekrönt sind. Noch keinen Durchbruch hingegen haben wir bei der Frankenbahn von Heilbronn nach Würzburg. Es gibt zwar erste positive Signale, doch der Einsatz für einen zweigleisigen Ausbau zwischen Möckmühl und Züttlingen wird noch viel Kraft kosten. Ich werde mich weiter auf allen Ebenen darum bemühen. Auch als Mitglied des Kreistags, sollte ich im Juni das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler erhalten.

Sie kandidieren für den Kreistag?
Ja, ich bin auch jetzt schon Gemeinderat in Gundelsheim. Es ist wichtig, als Bundespolitiker in der kommunalen Politik verankert zu sein.
Sie sind einer der ganz wenigen Politiker mit Migrationshintergrund. Ist die Herkunft ein Hindernis auf dem Weg in die Politik?
Ich bin der Beweis, dass es möglich ist, trotz eines ausländischen Namens und einer ausländischen Herkunft in den Bundestag gewählt zu werden. Ich wünsche mir, dass bei einer Wahl stets der politische Einsatz und der Mensch im Vordergrund stehen, und nicht die Herkunft.
Können Sie mir die drei wichtigsten Gründe nennen, weshalb man gerade heute in die SPD eintreten soll?
Parteien sind besser als ihr Ruf. Starke Parteien sind Garanten für eine stabile Demokratie. Deswegen freue ich mich über jeden Einzelnen und jede Einzelne, die bei uns mitmachen wollen. Die drei wichtigsten Gründe: Die SPD ist die einzige Partei, die glaubwürdig und ehrlich auf der Seite der Arbeitnehmer steht und ihre Interessen verteidigt. Die SPD steht als Regierungspartei seit über 10 Jahren für Frieden und internationale Verantwortung. Dafür stand Gerhard Schröder, und dafür steht jetzt Frank-Walter Steinmeier. Und die SPD ist die einzige Partei, die sich bereits seit Jahren kritisch-konstruktiv mit der internationalen Finanzwelt auseinander setzt und Lösungen für die Zukunft benennt.
Wie kann ich mich über Ihre Arbeit auf dem Laufenden halten?
Meine Homepage wird regelmäßig auf den aktuellsten Stand gebracht. Außerdem informiere ich nach jeder Sitzungswoche im Berlin-Brief über die im Bundestag behandelten Themen. Wenn Sie den Berlin-Brief erhalten möchten, können Sie diesen auf meiner Homepage abonnieren. Halbjährlich berichte ich über meine Arbeit im „roten Männle“, das Sie auf Anfrage von meinem Bürgerbüro zugesandt bekommen können. Für direkte Fragen bin ich aber auch per Post oder E-Mail erreichbar.
Herr Juratovic, wie wird die Bundestagswahl im September ausgehen?
Wir Sozialdemokraten setzen auf Sieg. Wir haben mit unserem Außenminister Frank-Walter Steinmeier den besseren Kanzlerkandidaten. Ich bin zuversichtlich, dass die SPD wieder stärkste Kraft in unserem Land wird.
Was nehmen Sie sich für Ihren persönlichen Wahlkampf vor?
Das Unterland ist kein Erbhof der CDU. Mein Erststimmenergebnis will ich deutlich verbessern. Ich habe gute Arbeit für unsere Region geleistet, und ich bin mir sicher, dass die Menschen dies mitbekommen haben.
Und was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Natürlich Gesundheit und Glück. Und dass ich vier weitere Jahre für unsere Region im Deutschen Bundestag arbeiten darf.

Das Interview führte Kira Sagner (geb. 1986) aus Neuenstadt am Kocher, die Anfang 2009 ein Praktikum bei Josip Juratovic absolvierte und seit Oktober 2009 als studentische Mitarbeiterin in seinem Berliner Büro arbeitet.
Kira Sagner studiert an der Humboldt-Universität zu Berlin.

