An SPD-Delegierten aus der Region scheitert keine Groko

22/01/2018

Erschienen in der Heilbronner Stimme am 20.01.2018, von Christian Gleichauf

Wenn die SPD-Delegierten in Berlin über Koalitionsverhandlungen mit der CDU entscheiden, sind auch Vertreter aus Wahlkreisen Heilbronn und Neckar-Zaber mit dabei. Sie wollen den Verhandlungen zustimmen, auch wenn sie überwiegend keine klare Mehrheit für die eigenen Positionen sehen.

Josip Juratovic bei der SPD-Bundestagskandidatenwahl in der Bad Friedrichshaller Seetalhalle Foto: Ralf Seidel

Am Sonntag entscheiden die SPD-Delegierten über den Fortgang der Koalitionsverhandlungen mit der Union. Mit dabei sind der Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic aus Gundelsheim, der Kreisvorsitzende Markus Herrera Torrez aus Lauffen und Thomas Utz aus Murr, der 2017 im Wahlkreis Neckar-Zaber für die SPD angetreten ist. Obwohl sie inhaltlich nah beieinander sind, gehen ihre Einschätzungen über den Ausgang der Abstimmung weit auseinander.

Insgesamt fahren die 16 Bundestagsabgeordneten und 31 weitere Delegierte aus dem Land nach Bonn, auch die Landesvorsitzende Leni Breymaier. Im Vorfeld traf sich in Stuttgart der Landesvorstand mit Delegierten. Dort wurde klar, dass die Partei durchaus gespalten ist, was den künftigen Kurs angeht.

Juratovic hofft auf klare Verhältnisse

Trotzdem hält Josip Juratovic ein klares Ergebnis in Bonn für möglich. „Ein Drittel war immer dafür, ein Drittel dagegen. Das letzte Drittel wird jetzt mit Bauchschmerzen aber zustimmen.“ Er selbst will weiter dafür werben, dass man sich der politischen Verantwortung stellt. „Die Lage in der Welt und in Europa ist so, dass man eine stabile Bundesregierung braucht.“ Nicht umsonst habe sich ein großer Teil der Sondierung um das Thema Europa gedreht − auf Drängen der SPD. Zudem müsse man die Dinge vom Ende her denken: „Was, wenn die Koalitionsverhandlungen gar nicht erst stattfinden würden?“

Für Markus Herrera Torrez gibt es noch viel, wofür es jetzt zu streiten gilt. Er selbst stimme deshalb auch für Koalitionsverhandlungen. „Ich sehe auch eine Mehrheit dafür, aber es wird wohl knapp.“ Warum die Jusos ihren Widerstand gegen die Groko nicht aufgeben, das ist für den ehemaligen Juso-Landeschef gut nachvollziehbar: „Gerade die jüngeren, die 14- bis 18-Jährigen, haben immer nur Merkel erlebt. Da ist der Wunsch nach einem Wechsel im Kanzleramt groß.“

Zum anderen spiele die Frage, wo sich die SPD in 20 Jahren befinde, bei der Jugend eine größere Rolle. „Außerdem haben die Jusos immer Lust auf Wahlkampf.“ Neuwahlen schrecken also nicht. Herrera Torrez fände Neuwahlen allerdings nicht zielführend. „Eine große Veränderung wäre nicht zu erwarten, wenn die gleichen Personen wieder antreten.“

Thomas Utz will mit Ja stimmen

Vorsichtiger ist Thomas Utz − zu einer Prognose will er sich nicht hinreißen lassen. „Ich rechne mit einem ganz engen Ergebnis“, sagt der Banker aus Murr, der 2017 im Bundestagswahlkreis Neckar-Zaber für die SPD kandidiert hat. Er selbst stimme auf jeden Fall mit Ja. „Die SPD ist gut beraten, nach fünf Tagen Sondierungsgesprächen die Möglichkeiten für weitere Verbesserungen im Land auszuloten.“ Auch wenn man etwa die Bürgerversicherung noch nicht umsetzen könne, sei doch ein Einstieg in ein gerechteres Gesundheitssystem möglich.

Utz räumt aber auch ein, dass solche Themen im Wahlkampf nicht die Rolle gespielt haben, die sie hätten spielen sollen. „Damit lässt sich trefflich analysieren, wie wir es geschafft haben, von 33 Prozent in den Umfragen auf das Wahlergebnis von 20,5 Prozent zu kommen.“

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