Für eine Wertschätzung der Vielfalt

13/12/2011

Ministerin Öney warb für 2012 als „Jahr der Integration“

„Es ist nicht immer leicht sich zu behaupten, vor allem wenn man einen ausländischen Namen hat“, bekannte jetzt der Heilbronner SPD-Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic bei der Veranstaltung „Integration geht uns alle an“ in der Aula der Hochschule Heilbronn vor rund 150 Gästen.

„Ich kam selbst als Gastarbeiter, wurde zum Ausländer, zum Migranten, zum Deutschen mit Migrationshintergrund beziehungsweise mit Einwanderungsgeschichte – und eigentlich wollte ich immer nur ein Mensch sein und als solcher behandelt werden.“ Deshalb warb der Arbeitsmarktpolitiker, der zu einem Diskussionsabend seinen Fraktionskollegen aus dem Deutschen Bundestags Sebastian Edathy und die Baden-Württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney eingeladen hatte, um mehr Verständnis füreinander.

„Jeder muss die Möglichkeit haben, seine Fähigkeiten und Potenziale zu entfalten; und zwar unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft“, sprach sich auch SPD-Ministerin Öney für ein Miteinander in der Gesellschaft aus. Integrationspolitik habe lange Zeit aus einseitigen Anpassungsforderungen bestanden. Den Menschen mit Migrationshintergrund sei ein Lern- und Veränderungsdruck auferlegt worden. „Mit einer solchen Politik werden die Menschen aber nicht erreicht“, so Öney. Die Lösung liege weder in einem einseitigen Anpassungsprozess noch in einem Nebeneinander herleben. „Die Lösung liegt in einer Wertschätzung der Vielfalt! Wir müssen uns bewusst werden, dass unsere eigene Sicht der Welt immer auch eine sehr begrenzte ist“, betonte die Ministerin. Gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Innenminister Reinhold Gall hat sie deshalb 2012 zum „Jahr der Integration“ ausgerufen.

Sebastian Edathy, der Mitglied im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags ist, wies darauf hin, dass ein gutes Miteinander von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes sei. Integration sei ein wechselseitiger Prozess, den die Migranten allein nicht hinbekommen. Der SPD-Abgeordnete aus der Nähe von Hannover – der zusammen mit MdB Juratovic an dem Buch „Migranten in der deutschen Politik“ des Journalisten Marvin Oppong mitgeschrieben hat – machte sich dafür stark, dass Zugewanderte schneller und unbürokratischer die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen können. Wichtig findet er zudem eine Öffnung des kommunalen Wahlrechts für Drittstaatenangehörige.

Rektor Dr. Jürgen Schröder verwies in seinem Grußwort als Hausherr darauf, dass die Hochschule Heilbronn Integration lebe und vorbildlich in Baden-Württemberg voran gehe: Denn unter ihrem Dach studieren 7200 Jugendliche aus 93 Nationalitäten.
In der anschließenden Diskussionsrunde, die der Ressortleiter Politik der Heilbronner Stimme Siegfried Lambert moderiert hat, wurde deutlich, wie vielschichtig die Thematik ist. „Unsere Gesellschaft ist reifer und vielfältiger geworden. Wir sind auf einem guten Weg, gemeinsam besser zusammenzuleben“, so Juratovic in seinem Schlusswort.

Heilbronn, den 9.12.2011