Generationenwechsel bei der Heilbronner Kreis-SPD

05/12/2017

Erschienen in der Heilbronner Stimme 02.12.2017

Der Kreisverband Heilbronn Land der SPD wählt Markus Herrera Torrez aus Lauffen beim Kreisparteitag in Neuenstadt an die Spitze. Gleichzeitig schickt die Basis klare Signale an die Genossen und auch an die CDU nach Berlin.

Von Rolf Muth

 
Kreisvorsitzender Josip Juratovic (links) machte den Platz an der Verbandsspitze für seinen Nachfolger Markus Herrera Torrez frei. Foto: Dennis Mugler

 

„Wenn wir von einer Erneuerung unserer Partei reden, dann kann das nur mit neuen Köpfen gelingen.“ Damit meint Kreisvorsitzender Josip Juratovic beim Kreisparteitag des SPD-Kreisverbandes Heilbronn keineswegs Martin Schulz. Der 58-jährige Juratovic machte am Samstagnachmittag in Neuenstadt-Kochertürn den Weg frei für seinen bisherigen Vize, Markus Herrera Torrez.

72 der 87 Delegierten sprachen sich für den 29-Jährigen aus Lauffen aus. Herrera Torrez ist seit 2013 Mitglied des SPD-Landesvorstands und seit Mai 2016 internationaler Gewerkschaftssekretär. Er wurde von der IG Metall an den Europäischen Gewerkschaftsbund in Brüssel entsandt. Diese Aufgabe endet im Frühling 2018.

Juratovic macht Platz für die junge Generation der Kreis-SPD

„Ich gehe nun einen Schritt zurück, damit einer aus der jungen Generation den Schritt nach vorne machen kann“, sagte Juratovic. Der Bundestagsabgeordnete arbeitet seit 20 Jahren im Kreisvorstand mit. Sechs Jahre davon war er Chef der Sozialdemokraten im Heilbronner Land.

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„Während wir uns in der Sicherheit der Opposition wiegten und uns bereits darüber gefreut haben, dass CDU, CSU, FDP und Grüne wahrscheinlich eher einer ausgetrockneten Wüstenlandschaft statt einer traumhaften Urlaubsinsel gleichen, haben wir es verpasst, uns auf deren Scheitern vorzubereiten“, stellte Herrera Torrez selbstkritisch fest.

Kein Freund der GroKo

Freund einer großen Koalition ist der frühere Vorsitzende der Jusos Baden-Württemberg gewiss nicht: „Trotzdem glaube ich, dass wir uns nach den Worten des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier Gesprächen mit der CDU nicht entziehen können. Aber – wir können die CDU mit unseren Themen und Forderungen vor uns hertreiben.“

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Und zu diesen Themen, die für ihn eine rote Linie sind, zählen eine Bürgerversicherung für alle statt einer Zwei-Klassen-Medizin, die Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen und die Verankerung des Rückkehrrechts von Teilzeit in Vollzeit, die Stärkung von Mitbestimmung, Rechten für Gewerkschaften und Tarifautonomie, die Erhöhung des Mindestlohns auf 12,50 Euro für alle Arbeitnehmer und die Fortentwicklung der Europäischen Union zu einer Sozialunion.

Herrera Torrez kann sich auch Minderheitsregierung vorstellen

Die SPD habe es nun in der Hand, am Ende darüber zu entscheiden und abzustimmen, ob Koalitionsgespräche mit der CDU geführt werden und ob eine solche Zusammenarbeit am Ende zustande komme oder nicht. Ohne eine intensive Basisbeteiligung sei das nicht zu machen, wenn man die Spaltung der Partei nicht riskieren wolle. Darin waren sich die Delegierten einig. Das war die klare Botschaft sowohl an die eigenen Genossen, aber auch die Christdemokraten in Berlin.

Herrera Torrez: „Und wenn der CDU am Ende nur die Option bleibt, eine Minderheitsregierung zu bilden, dann bin ich darüber nicht traurig: Eine Minderheitsregierung, in der im Parlament um die besten Antworten gerungen werden muss, kann unserer Demokratie nur guttun.“

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