Gleichberechtigung fördern – in Deutschland und weltweit

09/03/2012

Juratovic: Bisherige Freiwilligkeit bei der Quote reicht nicht aus

Anlässlich des 101. Internationalen Frauentages fordert die SPD-Bundestagsfraktion eine Quote in Aufsichtsräten und Vorständen. Gleichzeitig haben die Sozialdemokraten die Situation von Frauen in Entwicklungsländern im Blick, wozu ein fraktionsübergreifender Antrag in den Bundestag eingebracht wurde. „Gleichberechtigung ist ein internationales Thema“, so der Heilbronner SPD-Abgeordnete Josip Juratovic. „Wir müssen uns hier in Deutschland für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen, aber auch unsere Entwicklungspolitik daran ausrichten!“

In Deutschland habe die so genannte freiwillige Quote in Aufsichtsräten und Vorständen börsennotierter Unternehmen bisher keine ausreichenden Ergebnisse gebracht. „Immer noch sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert – und das nicht, weil sie nicht die Qualifikation dazu hätten“, betont Juratovic. Vielmehr liege dies an Barrieren wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder anderen, oft unsichtbaren Hürden. „Mehr Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt gibt es daher nur mit einem neuen Gesetz“, so Juratovic. Die SPD-Fraktion legt dazu anlässlich des Internationalen Frauentages einen Gesetzentwurf im Bundestag vor, in dem eine Geschlechterquote von 40 Prozent festgeschrieben ist.

„Ich unterstütze darüber hinaus auch den Aufruf „pro Quote“, den mehrere hundert Journalistinnen ins Leben gerufen haben“, so Juratovic. Denn auch in der Medienlandschaft zeige sich das Problem, dass es zahlreiche bestens ausgebildete Frauen gebe, diese jedoch nicht auf den Stühlen der Chefredakteure säßen.

Juratovic unterstützt die Beteiligung von Frauen an Bildung und Arbeitsmarkt nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit: Der Antrag „Gleichberechtigung in Entwicklungsländern voranbringen“, den die SPD 2011 in den Bundestag einbrachte, wird nun als Initiative für einen fraktionsübergreifenden Antrag zu diesem Thema genutzt. Die Entwicklungszusammenarbeit war lange nicht auf geschlechterspezifische Unterschiede ausgerichtet. Jedoch kam in den vergangenen Jahren die Erkenntnis auf, dass Frauen für den Entwicklungsprozess eine besondere Bedeutung haben. Besonders in afrikanischen Ländern ernähren Frauen oft ganze Familien, da sie traditionell der Landwirtschaft nachgehen. „Aus arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sicht ist es vor allem wichtig, dass Frauen einen fairen Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt haben. Ich bin froh, dass sich Union, FDP und Grüne auf der Grundlage unseres SPD-Antrags vom vergangenen Jahr auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen konnten und freue mich auf die Debatte am Internationalen Frauentag“, so Juratovic abschließend.

Hintergrund: Der Aufruf „pro Quote“ wurde von mehreren hundert Journalistinnen ins Leben gerufen, die sich für eine feste Mindestfrauenquote in den Führungsetagen von Medienunternehmen aussprechen. Deshalb haben Sie einen offenen Brief an ihre Verleger, Herausgeber, Intendanten und Chefredakteure formuliert. Denn nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen sind Frauen; von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich. Und auch in den Redaktionen der Nachrichtenmagazine stehen fast ausschließlich Männer an der Spitze.

Heilbronn, den 8.3.2012