Heilbronn: Throm gewinnt, Juratovic trotzdem im Parlament

25/09/2017

Erschienen in der Heilbronner Stimme am 25.09.2017

Alexander Throm (CDU) holt mit 35,3 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis Heilbronn. Allerdings büßt er dabei im Vergleich zu Thomas Strobl vor fünf Jahren mehr als 15 Prozentpunkte ein.

Josip Juratovic (SPD) musste mit 23,2 Prozent der Erststimmen lange um sein Bundestagsmandat bangen. Erst am Montagmorgen hatte das Zittern für den SPD-Abgeordneten ein Ende: Der Gundelsheimer vertritt den Wahlkreis Heilbronn auch in einer vierten Wahlperiode in Berlin. Er war auf dem unsicheren Platz 16 der baden-württembergischen Landesliste der Sozialdemokraten in die Wahl gegangen. Das schlechte Landesergebnis der SPD hatte am Wahlabend und in der Wahlnacht für Unsicherheit bei dem ehemaligen Audi-Betriebsrat gesorgt. Nun ist sicher: Die SPD Baden-Württemberg schickt 16 Abgeordnete nach Berlin.

Michael Link von der FDP bekommt 9,6 Prozent der Erststimmen, hat es über den Landeslisten-Platz 3 aber wohl sicher wieder nach Berlin geschafft. Franziska Gminder (AfD) aus Heilbronn könnte ebenfalls über die Landesliste in den Bundestag einziehen. AfD-Kandidat Jürgen Koegel holt im Wahlkreis Heilbronn zwar 15,6 Prozent der Erststimmen, steht aber gar nicht auf der Landesliste seiner Partei. Er hat also keine Chance auf einen Einzug in den Bundestag.

CDU fällt im Wahlkreis Heilbronn ab, AfD und FDP legen stark zu

Bundestagswahl 2017 – Wahlparty AfD Heilbronn
Mitglieder der Heilbronner AfD beobachten bei ihrer Wahlparty das Bundesergebnis. Foto: Ralf Seidel
Bei den Zweitstimmen gibt es nach dem vorläufigen Endergebnis vor allem einen Sieger: die AfD. Nach 5,4 Prozent bei der vergangenen Bundestagswahl holt die Partei dieses Mal 16,4 Prozent und wird damit drittstärkste Partei im Wahlkreis hinter der SPD (17,7 Prozent).

Die CDU bleibt zwar im Wahlkreis Heilbronn die stärkste Partei und holt 32,1 Prozent der Zweitstimmen. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 verliert sie aber 13,7 Prozent. Auch die SPD büßt mehr als 4 Prozentpunkte ein.

Enorme Zugewinne gibt es bei den Zweitstimmen auch für die FDP (von 6,2 auf 13 Prozent). Die Grünen gewinnen im Wahlkreis Heilbronn fast 2 Prozentpunkte dazu, die Linke legt einen Prozentpunkt zu.

Wahlbeteiligung ist angestiegen, mehr als 183.000 Menschen geben ihre Stimme ab

Die Bundestagswahl 2017 hat in Heilbronn wieder mehr Menschen an die Wahlurnen gelockt. 76,6 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Bei der letzten Bundestagswahl waren es noch 71,9 Prozent.

Insgesamt waren im Wahlkreis 267 mehr als 240.000 Menschen zur Wahl aufgerufen. 183.105 davon gaben eine gültige Stimme ab.

Reaktionen von den Kandidaten

Alexander Throm (CDU): „Ich bin unter den erschwerten Bedingungen erstmals als Bundestagskandidat und gegen den amtierenden SPD-Abgeordneten angetreten und habe das Direktmandat erreicht, dafür bin ich den Wählern dankbar. Das Ergebnis ist mit 2013 kaum vergleichbar, damals kamen AfD und FDP nicht in den Bundestag. Der Einzug der AfD ist eine Zäsur im Parteiensystem und der parlamentarischen Demokratie. Die CDU kann nach den Verlusten nicht einfach so weitermachen wie bisher.“

Josip Juratovic (SPD): Ich durfte bisher den Wahlkreis zwölf Jahrevertreten. Für die große Solidarität aus Partei und Bevölkerung bin ich dankbar. Ich hatte gute Stimmenergebnisse und habe einiges bewegen dürfen. In der Opposition kann die SPD sich jetzt stärker profilieren.“

Jürgen Koegel (AfD-Direktkandidat): „Ich bin nur zufrieden, nicht glücklich, ich hatte auf 15 Prozent plus gesetzt.“ Franziska Gminder (AfD-Landesliste): „Wenn ich in den Bundestag komme, werde ich mit Anstand unsere Partei und Themen vertreten. Unglaublich der Vorwurf, ich hätte mich im Wahlkampf nicht engagiert.“

Michael Link (FDP): „Unser Ergebnis im Bund ist super, in Baden-Württemberg erwartet man immer mehr. Mein Kampf auf Platz drei war auch einer für die Kollegen auf den anderen Listenplätzen. Seltsam, dass eine Heilbronnerin für die AfD über die Hintertür in den Bundestag einzieht, die im Wahlkampf sich und ihre Meinung nicht zeigte.“

Thomas Fick (Grüne): Ich bin sehr zufrieden. Wir haben zugelegt. Unser Kernthema Klimawandel aber kam nur am Rande vor.“

Konrad Wanner (Linke): Ich bin persönlich zufrieden, doch wir haben nicht alles erreicht. Die neoliberalen Kräfte sind erstarkt.

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