Juratovic besucht Christian-Schmidt-Berufsschüler in Neckarsulm

20/07/2011

Gespräch über Arbeitsmarkt und Panzer

Der direkte Kontakt, gerade zu der jungen Generation, spielt für den SPD-Bundestagsabgeordneten Josip Juratovic eine prägende Rolle. Durch seine vielen Besuche in den Schulen in der Region versucht er das Verhältnis zwischen Politik und Jugend nachhaltig zu verbessern und zu fördern. Er nimmt sich viel Zeit von seiner politischen Arbeit zu berichten und die Fragen der Schüler genau zu beantworten.

So auch bei seiner Visite in der Christoph-Schmidt-Berufsschule in Neckarsulm. Der Arbeitsmarktpolitiker berichtet von seiner Zeit als Arbeiter bei Audi und wie er seinen Weg „vom Fließband in den Bundestag“ gefunden hat. Wichtig ist ihm, den Schülern begreiflich zu machen, dass politisches Engagement in keiner Weise mit einer akademischen Karriere zu verknüpfen ist. Man muss nicht das Gymnasium besucht haben, studiert oder in Deutschland geboren sein, um sich an der Politik beteiligen zu können.

Ein Thema, das den Schülern und dem Politiker besonders am Herzen liegt ist die Integration von Hauptschülern in den Arbeitsmarkt. Repräsentativ für dieses Problem ist die Hauptschülerquote in dieser Klasse, denn es befindet sich nur ein einziger unter all den Schülern. Josip Juratovic philosophiert nicht lange über die Frage des „warum“. Er stellt den Jugendlichen seinen Verbesserungsvorschlag vor: Die Gesamtschule. Seiner Meinung nach fördert die Gesamtschule die Verbesserung und Motivation schwächerer Schüler. Für Juratovic ist die Selektion nach der 4. Klasse ein maßgeblicher Grund für das Scheitern vieler Hauptschüler nach dem Abschluss.

Das Konzept der Gesamtschule findet innerhalb der Berufsschüler ein breites Feld der Zustimmung. Viele teilen Josips Vorstellung von einem gerechten Schulsystem, in Form einer Gesamtschule, mindestens bis zur 6. Klasse. Obwohl die meisten von der Realschule kommen, spielt auch hier die Umstellung auf das 8-jährige Gymnasium eine Rolle. Auch an diesem Schulmodell wird viel Kritik geäußert, wie etwa der steigende Druck, dem die Schüler ausgesetzt sind.

Ein weiteres Thema beschäftigt die Schüler, eines das mit Integration und Schulsystemen nichts zu tun hat. Ein Schüler in der ersten Reihe möchte von den SPD-Politiker wissen, was er von der Ausfuhr der 200 „Leo-Panzer“ nach Saudi-Arabien halte? Seine Antwort ist sehr eindeutig, er stellt sich klar gegen dieses Exportgeschäft. Er erklärt den Schülern, dass Saudi-Arabien dazu beigetragen hat die Demokratiebewegung in Bahrain zu zerschlagen und sieht durch den Export der Panzer einen klaren Bruch mit der Wertvorstellung Deutschlands. Er erklärt den Schülern, was für ein grausames und autoritäres Herrschaftssystem in Saudi-Arabien herrscht und dass Waffenexporte in ein solches Land gegen jede demokratische Überzeugung gerichtet sind. Nun stellt ein Schüler die Frage, ob es nicht sinnvoller und wirtschaftlicher ist den Export selbst zu tätigen, da es sonst Länder wie China oder die USA tun werden? Juratovic versichert, dass es wirtschaftlich sicherlich von Vorteil wäre die Panzer zu exportieren. Im weiteren Gesprächsverlauf stellt er jedoch die Frage: “Muss man wirklich alles mitmachen? Auch wenn es gegen jede moralische Vorstellung gerichtet ist?“

Mit dieser tiefgreifenden Frage entlässt er die Schüler, dankt für die Aufmerksamkeit ebenso wie für das Interesse und äußert die Hoffnung, dass der eine oder andere sich in der Zukunft dazu entscheidet, politisch aktiv zu werden.

Heilbronn, den 20.07.2011