Juratovic: Wir brauchen gute Ausbildung für junge Menschen

31/03/2011

Der Wettlauf um einen Ausbildungsplatz ist in vollem Gange. Oft genug sind dabei „die Hauptschüler die Verlierer“, so Hannes Finkbeiner von der Liga der freien Wohlfahrtspflege beim diesjährigen, dem mittlerweile 5. Aktionstag des Initiativkreises „Hauptschülern eine Chance geben“. Gastgeberin war diesmal die Wilhelm-Hauff-Schule in Heilbronn. Von 35 Absolventen der beiden Abschlussklassen haben gerade mal 6 einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Elf Schülerinnen und Schüler haben eine Zusage von einer weiterführenden Schule. Die übrigen des diesjährigen Abschlussjahrgangs hängen noch in der Luft. „Wir wissen, dass in jedem jungen Menschen ein Talent steckt.

Unsere Schüler benötigen mehr Anerkennung“, sagt der Heilbronner SPD-Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic, der gemeinsam mit Schulleiter Ludwig Müller und Schuldekan Gerhard Ruhl den Initiativkreis für Hauptschüler gegründet hat. „Unsere Region Heilbronn ist eine der wirtschaftsstärksten im Land, aber leider schaffen wir es nicht, allen jungen Menschen eine gute Ausbildung zu geben“, so Juratovic.
„Wir haben mehr Ausbildungsplätze als Absolventen“, so Wolfgang Seibold, Leiter des Schulamts: „Aber es sind noch immer nicht alle Absolventen der Vorjahre mit einer Ausbildungsstelle versorgt.“ Der Trend gehe aber klar dahin, dass die Absolventen lieber auf weiterführende Schulen wechseln und einen höheren Abschluss anstreben, um damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Oliver Freier, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit, kann 700 mehr Stellen als Bewerber melden. „Aber eine Stelle muss auf einen Bewerber passen“, so Freier. Er rät den Jugendlichen: „Bleiben Sie offen für berufliche Alternativen! Wenn das bei Ihrem Wunschberuf nicht klappt, überlegen Sie sich, was für Sie noch in Frage kommt!“ Für längeres gemeinsames Lernen spricht sich Rainer Hinderer aus, dem Geschäftsführer der Diakonischen Jugendhilfe – die Mitglied in der Liga der Freien Wohlfahrtspflege sind. 40 Prozent der Hauptschüler schaffen keinen direkten Einstieg ins Berufsleben, sondern werden in Berufsvorbereitungsmaßnahmen vermittelt. Ein besserer Weg wäre es , die Schüler gleich länger in der Schule lernen zu lassen.

Auch die Schüler der Wilhelm-Hauff-Schule kamen zu Wort. Der 15-jährige Chris hat 7 verschiedene Praktika absolviert, bis es endlich mit einer Lehrstelle geklappt hat. Der 16-jährige Michael hat zehn Bewerbungen verschickt und nur von einer Firma Antwort erhalten. Aber bei dieser hat er dann nach einem Eignungstest seinen Lehrvertrag als Zerspanungsmechaniker unterschreiben dürfen. Nicht so viel Glück wie ihre Klassenkameraden hatten Milena, Omar und Kevin, doch sie werden sich weiter bewerben, auch in anderen Berufen. Vor sechs Jahren hat die 21-jährige Funda ihren Hauptschulabschluss mit einem Durchschnitt von 1,9 in der Wilhelm-Hauff-Schule gemacht. Für sie war klar, dass sie weiter zur Schule gehen will. Inzwischen hat sie Abitur und studiert Elektronikbusiness in Heilbronn. „In Deutschland stehen so viele Türen offen. Seid fleißig! Macht weiter! Lernt für euch selber! Die Schulzeit war die schönste Zeit in meinem Leben“, gibt sie den jetzigen Absolventen mit auf den Weg.

31. März 2011