Klare Unterschiede beim Thema Fahrverbote

12/09/2017

Von unserem Redakteur Jürgen Paul

Klare Unterschiede beim Thema Fahrverbote
Eingerahmt von Iris Baars-Werner und Hans-Jürgen Deglow diskutierten Thomas Fick, Jürgen Koegel, Michael Link, Alexander Throm, Josip Juratovic und Konrad Wanner (von links).Foto: Mario Berger

 

In einer weitgehend von Sachlichkeit geprägten Diskussion warben die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Heilbronn gestern Abend beim Stimme-Wahlforum für ihre Positionen. Mehr als 400 Besucher konnten sich knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl am 24. September in der Heilbronner Harmonie ein persönliches Bild der sechs aussichtsreichsten Kandidaten machen. In der von den stellvertretenden Stimme-Chefredakteuren Iris Baars-Werner und Hans-Jürgen Deglow souverän moderierten Diskussion traten die unterschiedlichen politischen Ausrichtungen und Ziele der Teilnehmer teils deutlich zutage.

In der Frage, ob Fahrverbote und politische Vorgaben für die Autoindustrie sinnvoll sind, liegen die Teilnehmer mitunter weit auseinander. Alexander Throm lehnt Fahrverbote ab, sie könnten nur das letzte Mittel sein. Der Unionspolitiker warnt unter Verweis auf die zentrale Bedeutung der Branche für die Region und das Land davor, die Automobilindustrie zum Buhmann zu machen und wünscht sich stattdessen eine gemeinsame Lösungssuche der Politik mit der Autoindustrie.

In der Pflicht Gleichwohl räumt Throm ein, dass die Autobauer viel Vertrauen verspielt hätten und jetzt in der Pflicht zur Nachrüstung seien. „Wenn Software-Updates nicht ausreichen, um die Grenzwerte einzuhalten, muss auch bei der Hardware nachgerüstet werden“, stellt Throm klar.

Fahrverbote lehnt auch Josip Juratovic ab. Der Sozialdemokrat möchte den Druck auf die Autoindustrie erhöhen, neue Antriebstechniken und zukunftsfähige Mobilitätskonzepte zu entwickeln, um künftig möglichst wenig Automobilverkehr in den Städten zu haben. Konkret sorgt sich der ehemalige Audi-Bandarbeiter um die 16 000 Beschäftigten des Audi-Werks in Neckarsulm und die weiteren davon abhängigen Arbeitsplätze bei den Zulieferern. „Mir geht es um jeden einzelnen Arbeitsplatz“, betont Juratovic, der vom Audi-Management tragfähige Konzepte zur Standortsicherung verlangt.

„Fahrverbote fallen nicht vom Himmel“, sagt Thomas Fick und verweist auf „kollektives Versagen“ in der Autobranche und in der Politik. Der Grüne plädiert für die Einführung einer blauen Plakette und den Ausbau der Infrastruktur für E-Mobilität. „Die Gesundheit muss uns genauso viel Wert sein wie Arbeitsplätze.“ Für den massiven Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs spricht sich Konrad Wanner aus. „Das sind für mich Zukunftsinvestitionen“, betont der Linke. Ob Fahrverbote in den Städten sinnvoll sind, vermag Wanner nicht einzuschätzen. „Man muss abwägen, ob das etwas bringt.“

Warnungen Für Michael Link sind Fahrverbote der völlig falsche Weg zu besserer Luft. Er setzt auf intelligentere, marktnahe Lösungen und warnt davor, der Autoindustrie verbindliche Vorgaben zu machen. „Wir Politiker wissen es nicht besser als der Markt“, betont der Liberale. Jürgen Koegel lehnt Fahrverbote ebenfalls ab. „Der Dieselmotor ist der beste Motor der Welt“, sagt der AfD-Kandidat und warnt vor einer Planwirtschaft wie in der DDR.

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