Offener Brief: Regionaler Kraftakt für Audi-Werk gefordert

24/08/2017

Erschienen in der Heilbronner Stimme am 24.08.2017

Josip Juratovic (SPD) reagiert mit einem offenem Brief auf die kritische Lage bei Audi: Der Standort hat weiterhin Auslastungsprobleme.

Von Manfred Stockburger

Offener Brief: Regionaler Kraftakt für Audi-Werk gefordertMit 16.700 Beschäftigten ist Audi in Neckarsulm der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Region Heilbronn-Franken. Foto: Audi

 

Zwischen Diesel-Skandal, den Modellwechseln beim A8 und beim A6/A7, dem Personalkarussell im Vorstand und nicht zuletzt der ungeklärten Frage, mit welchem Antrieb Autos in Zukunft fahren sollen, steht das Neckarsulmer Audi-Werk vor einer der größten Herausforderungen seiner mehr als 110-jährigen Geschichte.

Der Sommerurlaub wurde verlängert – schon in der vierten Woche werden aktuell keine Fahrzeuge produziert. Auch nach den Sommerferien wird die Fabrik voraussichtlich noch einmal ungeplante Ferien einlegen, weil die Nachfrage nach Neckarsulmer Audis deutlich geschrumpft ist. Auch im kommenden Jahr drohen Auslastungsprobleme.

„Alle müssen Hand in Hand zusammenarbeiten“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Audi-Betriebsrat Josip Juratovic fordert angesichts der Lage in einem offenen Brief an die Verantwortlichen in Unternehmen und Politik einen regionalen Kraftakt: Alle müssten nun Hand in Hand zusammenarbeiten, schreibt er, um Neckarsulm und Heilbronn in dieser kritischen Situation als Automobilstandorte zu sichern.

Er verweist auf die Bedeutung des Unternehmens mit mehr als 16.000 Beschäftigten als größter Arbeitgeber der Region und auf die Mitarbeiter der Zulieferer, die ebenfalls vom wirtschaftlichen Erfolg von Audi profitierten. „Es darf in diesen Zeiten an keinem einzigen Arbeitsplatz gerührt werden“, fordert der Wahlkämpfer. Die Probleme lägen schließlich nicht in der Verantwortung der Arbeitnehmerschaft.

Juratovic erinnert an die Krise der Jahre 1974/75, als das Werk schon einmal auf der Kippe stand. „Genau wie damals brauchen wir heute die Zusammenarbeit der Werksleitung, des Gesamtunternehmens, der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften, der regionalen Politik und Verbände, um wieder in sicheres Fahrwasser zu kommen.“ Gemeinsam sollten die Akteure nach Lösungen für eine gute Zukunft des Standorts suchen.

Juratovic fordert neben Rabatten auch Hilfe bei der technischen Umrüstung

Als Lösung fordert der SPD-Politiker kurzfristig lukrative Kaufprämien und Erleichterungen bei der technischen Umrüstung älterer Fahrzeuge: „Auch bei hohen Rabatten kann sich nicht jeder einen neuen Wagen leisten.“

Mittelfristig müsse Audi seine Produkte verbraucher- und umweltfreundlicher gestalten, sagt der Politiker. Auf allen Ebenen von der Kommune bis zum Bund solle die Politik die Forschung tatkräftig unterstützen und den Ausbau der Infrastruktur sichern. Langfristig fordert er einen nationalen Pakt für moderne Mobilität.

Nicht noch mehr Porzellan zerschlagen

Dass er sich mit Kritik an Audi zurückgehalten habe, begründet Juratovic damit, dass in der jetzigen Situation nicht noch mehr Porzellan zerschlagen werden dürfe. „Klar ist, dass die Zukunft des Standortes nur gesichert werden kann, wenn alle rechtlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen strikt eingehalten werden“, heißt es in dem Brief.

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