Perspektiven für junge Menschen in der Region

03/05/2010


3. Mai 2010 – Der Initiativkreis „Hauptschülern eine Chance geben“ unter Führung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Heilbronn hat jetzt die aktuellen Zahlen auf den Tisch gelegt: Rund 40 Prozent der Hauptschüler der 9. Klasse und 36 Prozent der Klasse 10 hat noch keinen Ausbildungsplatz. „Das ist die schlechteste Quote seit fünf Jahren“, sagt Reiner Hinderer, Geschäftsführer der Diakonischen Jugendhilfe.

Doch viele Schüler stecken den Kopf nicht in den Sand und streben weiterführende Schulen an. Die 16-jährige Nadine von der Heilbronner Wartbergschule wird zum Beispiel die Werkrealschule besuchen. Sie will ihre Leistungen steigern und hofft, danach aufs Gymnasium zu gehen. Die gleichaltrige Jessica hat Angst vor einem schlechten Abschluss, wenn sie in die Realschule wechselt. Sie bewirbt sich deshalb noch weiter um eine Ausbildungsstelle als Bürokauffrau. Sollte das nicht klappen, will sie in ein zweijähriges Berufsvorbereitungsseminar wechseln. Stefanie hat schon mehr als 30 Bewerbungen geschrieben, nicht nur bei Heilbronner Firmen hat sie sich beworben, sondern auch in Stuttgart, Neckarsulm oder Öhringen. Bisher hat sie nur Absagen erhalten.

„Wir suchen zuerst Lösungen bei uns in der Region. Was kann jeder einzelne Verantwortungsträger tun, um die Chancen zu verbessern?“, fragt der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic (SPD) nach. Es gibt eine Reihe guter Projekte.

Damit junge Leute den Mut nicht verlieren, hat der Lions-Club Heilbronn-Wartberg ein Patenschaftsprojekt ins Leben gerufen. Der 19-jährige Hasan wurde beispielsweise vom IHK-Vizepräsident Oliver Durst unterschützt. „Wir haben gemeinsam Bewerbungen geschrieben und für das Vorstellungsgespräch geübt“, berichtet Hasan, der seine Lehre als Elektroniker inzwischen mit Erfolg abgeschlossen hat. Die 15-jährige Güldeniz wurde von Renate Rabe von der IHK unterstützt, etwa mit Nachhilfe in Mathematik, damit sie eine Ausbildungsstelle als Kauffrau für Bürokommunikation finden konnte.

Doch nicht nur die Jugendlichen müssen unterstützt werden. Auch die Zusammenarbeit mit den Unternehmen ist wichtig, damit diese mehr Ausbildungsstellen schaffen, sagt Bereichsleiter Oliver Freier von der Agentur für Arbeit Heilbronn. Jugendliche, die von ihren Eltern bei der Ausbildungssuche unterstützt werden, tun sich leichter, eine Stelle zu finden. Diese Erfahrung haben die Mitstreiter des Initiativkreises gemacht. „Es kann nicht sein, dass bei einem Elternabend zum Thema Berufswahl in den 8. Klassen nur jeweils 4 Eltern pro Klasse sitzen“, sagt Ludwig Müller, Rektor der Wartbergschule. Eine Unterstützung durch Paten ist deshalb wichtig.

Ein anderer Schwerpunkt ist es, die Jugendlichen über die Vielfalt in der Berufswelt zu informieren. „Es gibt 140 verschiedene Ausbildungsberufe in der Region. Aber 80 Prozent der Schulabgänger konzentrieren sich auf die Top 10, also Kfz-Mechatroniker oder Bürokauffrau“, sagt Oliver Durst. Auch Wolfgang Seibold, der Leiter des Schulamtes Heilbronn, rät den Jugendlichen, die keine Ausbildungsstelle bis zum Sommer finden, weiter zur Schule zu gehen. Allerdings würden bis zum August noch viele Schüler eine Lehrstelle finden, da es noch freie Ausbildungsplätze gebe. „Wenn man die Zahlen der vergangenen Jahre mit den aktuellen vergleicht, gehen bei mir die Alarmglocken an. Doch es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen wie man an den Positivbeispielen sehen kann“, so Hannes Finkbeiner von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege.