Positionen beim Umwelt- und Naturschutz

25/08/2017

Erschienen in der Heilbronner Stimme am 25.08.2017

 

Nabu-Kreisverband fühlt fünf Bundestagskandidaten auf den Zahn

Von unserem Redakteur Simon Gajer

Vor der Diskussion (von links): Josip Juratovic (SPD), Konrad Wanner (Linke), Moderator Hannes Huber, Thomas Fick (Bündnis 90/Grüne), Alexander Throm (CDU), Georg Heitlinger (vertrat Michael Link, FDP) und Adolf Monninger vom Nabu-Kreisverband Heilbronn.Foto: Simon Gajer

Wie stehen die Bundestagskandidaten von CDU, SPD, Linke, Bündnis 90/Grüne und FDP zu Fragen im Umwelt- und Naturschutz? Der Nabu-Kreisverband hat deshalb eine zentrale Podiumsdiskussion in Bad Rappenau ausgerichtet. In zwei Stunden wurden Unterschiede deutlich. Und es gab Momente, in denen die Kandidaten mit spontanen Äußerungen überraschten.

40 Personen verfolgten, wie Alexander Throm (CDU) ein Koalitionsangebot an Thomas Fick (Bündnis 90/Grüne) machte: „Es war eine ausgestreckte Hand.“ Sie erlebten, wie Georg Heitlinger in Vertretung von Michael Link (FDP) die an Landwirte gerichteten Anregungen zu mehr Genossenschaften von Konrad Wanner (Linke) konterte − mit Verweis auf die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR: „Bei der LPG hat es auch nicht funktioniert.“

Einige Punkte der Diskussion:

Mobilität: CDU-Kandidat Throm will zwar schnell auf den Öffentlichen Personennahverkehr, das Fahrrad oder Elektrofahrzeuge setzen. Man dürfe aber nicht überfordern: weder die Menschen noch die Stromnetze, wenn abends alle Batterien aufgeladen werden. Solange Elektroautos nicht massenweise vorhanden seien, brauche man den Diesel. Josip Juratovic (SPD) forderte eine nationale und regionale Strategie, damit sich Wirtschaft, Gewerkschaften, Umweltverbände und Verbraucher auf Ziele beim Klimaschutz verständigen. Kein Verständnis hatte er, dass sich die Autoindustrie nicht auf einen gemeinsamen Anschluss bei Elektroautos einigt: „Nicht mal einen beschissenen Stecker“ bekomme man hin. Für Linken-Kandidat Konrad Wanner muss der Personennahverkehr günstiger werden. Er sagte auch: „Es geht um umweltverträgliche Mobilität.“ Die Energiewende müsse sozialverträglich sein. Thomas Fick (Bündnis 90/Grüne) will „Mobilität neu denken“. Ein Signal an die Industrie müsse sein, dass ab dem Jahr 2030 keine neuen Diesel-Fahrzeuge vom Band laufen dürfen. Dann könne sie sich darauf einstellen. Sozialverträglich müsse der Wandel gestaltet werden. Für die FDP lehnte Heitlinger eine Frist ab. „Der Individualverkehr muss sich ändern“, sagte er aber. Der Wandel komme von allein.

Landwirtschaft: Throm will die Leistung der Landwirte für den Artenschutz stärker honorieren. Bei der EU-Agrarförderung bräuchten Betriebe eine Verlässlichkeit. Um Bauern nicht zu überfordern, sei es nicht möglich, die Zwei-Säulen-Förderung sehr schnell umzustellen: Abbau der Grundförderung und Stärkung jenes Teils, der sich an Leistungen orientiert − wie die besondere Bewirtschaftung. Juratovic sprach sich für den Ausstieg aus der ersten Säule aus: Öffentliches Geld müsse für öffentliche Aufgaben fließen, also beispielsweise den Schutz der Artenvielfalt.

Das sah Fick genauso. Der Übergang ist seiner Ansicht nach so zu gestalten, dass sich die Landwirte darauf einstellen können. Er will den Ausstieg aus der Massentierhaltung. Linken-Kandidat Wanner hat ein großes Interesse an biologisch erzeugten Lebensmitteln. Subventionen sollen seiner Ansicht nach an die gesellschaftlichen Auswirkungen geknüpft werden. Auch damit sich mehr Menschen Bio-Produkte leisten können, müsse der Mindestlohn bei zwölf Euro je Stunde liegen. Dass Wanner bei der Diskussion mehrmals von „gesünderen Lebensmitteln“ sprach, ließ Heitlinger nicht gelten.

Konventionell hergestellte Lebensmittel seien rückstandsfrei, sagte Heitlinger. Er führt einen Hühnerbetrieb in Rohrbach und hält die aktuelle EU-Agrarförderung für falsch. Am liebsten wäre ihm, gäbe es keine Subventionen. „Wir sind eigentlich für den freien Markt.“ Allerdings gehe es nicht ohne. Direktzahlungen sollten beispielsweise so umgestaltet werden, dass kleine Betriebe mehr gefördert würden.