PPP-Stipendiat: Sharavanan Subramaniyasivam – Mein persönlicher Erfahrungsbericht

10/04/2014

„Auswirkungen meiner Erfahrungen und Erlebnisse auf mich ganz persönlich.
Wie habe ich mich verändert?“

Ein Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika, das Land mit den unbegrenzten Möglichkeiten; kein Traum – sondern Wirklichkeit. Dank des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms wurde es für mich Wirklichkeit ein Jahr in den USA zu verbringen, in einem kleinen Ort namens Fayetteville, im Bundesstaat Tennessee. Eine amerikanische Gastfamilie, Schule, Freunde, Essen, Traditionen, usw. Man könnte unzählige Dinge nennen, die dieses Jahr sehr bunt gestaltet und „Fayetteville, Tennessee“ zu dem gemacht haben, was ich nun als mein zweites Zuhause betrachte; aber es gibt auch andere Sachen, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind, aber doch sehr wichtig sind und bei mir persönlich einen starken Eindruck hinterlassen haben.

Fayetteville ist eine sehr ländliche Stadt weit im Süden von Tennessee und sehr nah zur Grenze zum Bundesstaat Alabama. Die Einwohnerzahl der Stadt selbst beträgt nur ca. 7000 Einwohner, jedoch wohnen viele Schüler und Arbeiter der Stadt auch außerhalb. Meine Schule hatte ca. 900 Schüler, und darunter einen Austauschschüler aus Deutschland – das sprach sich schnell herum. Freunde zu machen viel mir also nicht schwer, denn die Leute kamen auf mich zu anstatt andersrum: Schon an meinem zweiten Schultag verpasste ich den Schulbus, da ich mich in den unendlichen Gängen der Schule verirrt hatte. Nachdem mich jemand angesprochen hatte und mit erklärte, dass der Bus auf der anderen Seite wäre, erklärte sich der nächste schon bereit, mich nachhause zu fahren. Zuvor sollte ich jedoch mit ihm zu ‚Taco Bell‘, einem semi-mexikanischen Schnellimbiss, wo seine Freunde warteten und mich auch herzlich und vor allem sehr offen empfingen. Herzlichkeit, Spontanität und Offenheit waren einige der vielen besonderen Werte die ich den Amerikanern ansehen konnte, jedoch waren diese drei sehr ausgeprägt. Ich war zu Beginn des ganzen Programms ein wenig schüchtern um ehrlich zu sein. Aber Schüchternheit war mit solchen Leuten nicht mehr eine Option. Das Vorbereitungsseminar, das ich vor dem Jahr durch die Austauschorganisation Experiment e.V. besuchen durfte, hat mich genau auf solche Situationen vorbereitet: Dazu lernen und man selbst bleiben. Daher konnte ich, ohne meine introvertierte Seite ganz zu verschleiern, die Vorteile eines Extrovertierten kennenlernen und mich schnell integrieren.

Es gab so viele interessante Menschen, jung oder alt, Schüler oder Hausmeister, egal was, sie haben alle in irgendeinem Wege eine Erkenntnis oder auch eine Botschaft mit sich getragen.
Der afroamerikanische Hausmeister an meiner High School konnte man nie ohne einem Lächeln auf seinem Gesicht erwischen. Er schien mir nahezu der fröhlichste Mensch überhaupt zu sein.
Eines Tages hat ihn mein Englischlehrer in den Unterricht gebeten um seine Erfahrung in den Zeiten der Rassentrennung und Diskriminierung zu erzählen. Das war das erste Mal, dass ich
ihn so emotional erlebt habe. Er erzählte wie er es als kleines Kind nicht begreifen konnte, dass ihn seine Mutter nicht etwas beim Imbiss kurz kaufen lies, sondern erst zur Hintertür
brachte um etwas zu kaufen; er hat nicht kapiert warum er zur Rektorin musste nachdem er mit einem weißem Mädchen geredet hatte; und noch viele weitere Ereignisse erzählte er aus
Erfahrung, was man sonst nur in Geschichtsbüchern las. Doch wo in diesen Ereignissen hat er die Kraft her für die Person die er heute ist?
In der Schule – mit seinen eigenen Augen sehen zu dürfen wie die Schüler und Lehrer, egal welcher Herkunft, miteinander reden, essen, sitzen und leben – das ist es worüber er sich
tagtäglich freut und jede einzelne Person mit einem Lächeln empfängt. Man sagt ja, man sehe das Gute nur, wenn man das Schlechte kennt. Jemanden ein Lächeln schenken kann man jedoch immer. Aber auch das Gute sollte man stets lernen zu sehen, denn es sind wirklich die kleinen Dinge im Leben die doch unbeachtet sind und für selbstverständlich erklärt sind, aber wenn man sie sehen kann, dann kommt das Lächeln von selbst.

Auch wenn ich irgendwo auf dem Land gewohnt habe, habe ich dennoch die Möglichkeit bekommen Orte wie Washington DC., Florida, Georgia und vielen anderen sehenswerten Orte
zu besuchen. Darunter auch New York, oder auch „The Big Apple“ genannt. Die Gastfamilie eines weiteren Stipendiaten und sehr guten Freundes von mir, hat mich eingeladen mit ihnen
den Jahresbeginn von 2013 in ‚der‘ Stadt zu verbringen. Man hört so vieles von dieser riesigen Stadt, welche auch für die spektakulären Neujahrszeremonien bekannt ist. Ein großer
„Melting Pot“ (zu Deutsch: „Schmelztiegel“), mit den verschiedensten Leuten, diverse Kulturen werden vertreten, unendliche Geschmäcker werden gesättigt, und etliche Sprachen
aus der ganzen Welt sind da. Unter meinen sprachlichen Kenntnissen halten sich Deutsch, Englisch, Tamil und ein bisschen Französisch – und ich konnte mir von allen vier Sprachen, in den paar Tagen in denen ich dort war, Gebrauch machen. In der Unterkunft traf ich auf einen Österreicher und eine Französin; in Fällen wenn niemand zum Übersetzen da war, musste ich mit meinem bisschen Französisch alle meine Kenntnisse nutzen um den Dolmetscher zu spielen, dabei habe ich mich aber nicht nur auf meine westeuropäischen Sprachkenntnisse verlassen, sondern auf alle Sprachen die
ich stückweise kannte. Es wurde schnell klar, dass auch das Ableiten aus anderen Sprachen eine Möglichkeit darstellt um jemanden verstehen zu können. Im mitten der Stadt, in der
Silvesternacht trafen wir auf einen sehr witzigen Herren aus Neuseeland, (wo man in das neue Jahr schon rein gerutscht war) welcher den Rest des Abends uns Gesellschaft leistete. Unter
anderem bin ich auch auf Studenten aus Sri Lanka gestoßen, die ich mit meinem Tamilisch überraschte.

Reisen ist eine sehr schöne und lehrreiche Sache. Man verbindet sich mit Menschen auf der ganzen Welt in irgendeiner Weise der Kommunikation und wenn man dazu das Wissen von
mehreren Sprachen beherrscht, dann kann es noch zu einem aufregendem Erlebnis werden. Mir ist das Erlernen von neuen Dingen wichtig geworden und auch Reisen wird weiterhin ein
wichtiger Bestandteil in meinem Leben sein. Im Ganzen hat mich das Jahr selbstbewusster gemacht. Ich bin mir bewusster wo meine Schwächen liegen und wie ich diese ändern kann. Ich bin spontaner, extrovertierter, reiselustig und mit einem Lächeln im Gesicht zurück nach Deutschland gekommen. Das alles habe ich diesem tollen Programm, dem amerikanischen Kongress und den deutschen
Bundestag, der Austauschorganisation Experiment e.V. und des Abgeordneten Herrn Juratovic, der mich für dieses Programm ausgesucht hat zu verdanken. Vielen lieben Dank,
dass Sie mir alle diese einmalige Chance gegeben haben, und viele Erfahrungen und Erkenntnisse für das Leben ermöglicht haben – danke.

Sharavanan Subramaniyasivam
Josip Juratovic (MdB, SPD)
Wahlkreis Heilbronn (267)
Programmjahr: 2012/2013
Gastort: Fayetteville, TN, USA