SPD diskutiert: Flüchtlingspolitik „Wo wäre das Emsland ohne die Einwanderer?“

21/09/2015

Dieser Bericht ist am 19.9.2015 in der Online-Ausgabe der Lingener Tagespost erschienen.

Emsbüren. Menschlichkeit, ein friedliches Miteinander, eine gelebte Willkommenskultur: Das sind Themen, die die Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder am Donnerstagabend im Kulturzentrum Fokus diskutierte.

Die Idee dazu hatte der SPD-Ortsvorsitzenden Hugo Kirchhelle bereits vor einem Jahr. „Die Probleme haben sich schon damals abgezeichnet“, sagt De Ridder, während ihrer kurzen Begrüßungsansprache an die zahlreich erschienenen Zuhörer.
Zu der Dankbarkeit für die zahlreichen Hilfsaktionen mischte sich bei allen Rednern auch Sorge. So wertet die Bundestagsabgeordnete den Rücktritt des Chefs vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als „kein gutes Zeichen“: „Bei aller Willkommenskultur zeigt es, das es auch Probleme gibt.“

Gesetze menschlicher machen
Probleme sieht auch Josip Juratovic, Integrationsbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion. „Wir müssen unsere bestehenden Gesetze menschlicher machen“, sagt er in seinem engagierten Vortrag. Er spricht auch aus persönlicher Erfahrung. Mit 15 Jahren floh er gemeinsam mit seiner Mutter aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland. Er weiß, wie wichtig Arbeit für alle, eine flexible Familienzusammenführung und gute Sprachprogramme sind. „Es sind außergewöhnliche Zeiten, da braucht es Flexibilität“, sagt der Integrationsbeauftragte. Er bezieht sich dabei auf einen konkreten Fall. Eine Frau kann einen Teil der Familie nicht nach Deutschland holen, da sie es versäumte, innerhalb der ersten drei Monate den entsprechenden Antrag zu stellen.
Auch Hermann-Josef Schmeinck, Geschäftsführer des Katholischen Vereins für soziale Dienste in Lingen kritisiert das dichte Dickicht formaler Bestimmungen. Das ginge sogar soweit, das Asylsuchende, die gerne zurück nach Hause wollen, bürokratische Hürden überwinden müssten. Doch in den Beratungsstellen des SKM wartet Hilfe – egal worum es geht. „Wir helfen wirklich allen“, sagt er. Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlingen , Muslimen und Christen, Frauen und Männern. Auch Deutsche sind jederzeit willkommen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch Einheimische gibt, die dringend Hilfe brauchen“, betont Hermann-Josef Schmeinck. Vergesse man das, könne sich die Willkommenkultur schnell ins Negative verkehren.

Ein Appell für die Willkommenskultur
Auch die anschließende Diskussion war durchweg lösungsorientiert. Schließlich richtet sich Hugo Kirchhelle noch einmal mit einem Appell für die Menschlichkeit an die Emsbürener.
Denn „wo“, fragt er, „wäre das Emsland, wäre Emsbüren ohne die vielen Einwanderer, die einmal hierher gekommen sind?“